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Mit Innovationen zu mehr Nachhaltigkeit

Simon, als Nachhaltigkeitsberater im EEN unterstützt Unternehmen dabei nachhaltige Lösungen für ihr Unternehmen zu finden und zu implementieren. Was beinhaltet das für dich und welche Rollen spielen dabei Innovationen?

Nachhaltigkeit ist heutzutage fester Bestandteil vieler Unternehmensstrategien und aus unserem Handeln gar nicht mehr wegzudenken. Wer sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, dem wird früher oder später der Begriff ökonomische Nachhaltigkeit begegnen. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff und warum reden alle darüber? Einfach gesagt, befasst sich ökonomische Nachhaltigkeit mit den wirtschaftlichen Aspekten von Nachhaltigkeit, ohne dabei die dafür benötigten Ressourcen langfristig zu schädigen. Darüber hinaus schafft ökonomische Nachhaltigkeit nicht nur ein gutes Gewissen, sondern bietet auch handfeste wirtschaftliche Vorteile. Gut wirtschaften bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Profite nicht alleinig im Vordergrund stehen, sondern dass auch Aspekte wie fairer Handel, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit Berücksichtigung finden müssen.

Es ist verstärkt zu beobachten, dass viele Unternehmen eine nachhaltige Entwicklung durch Innovationen erreichen wollen. Innovationen sind für Unternehmen in doppelter Hinsicht wichtig: Zum einen können sie dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und mit neuen und innovativen Produkten/Prozessen auf den Markt treten, und zum anderen können dadurch effizientere, ressourcenschonendere und somit nachhaltigere Produkte und Produktionsmethoden geschaffen werden.

 

Was bedeutet ein ökonomisches nachhaltiges Wirtschaften für Unternehmen?

Aus meiner Sicht bedeutet das für Unternehmen ganz konkret die folgenden Punkte:

  • Unternehmen können durch eine ökonomisch nachhaltige Strategie nicht nur ihre Umsätze steigern, sondern auch ihre Stellung im Markt stärken.
  • Des Weiteren können nachhaltige und stabile Lieferketten aufgebaut, gesteuert und sichergestellt werden. Dies ist besonders in Krisenzeiten wichtig, wie man bereits während der Corona-Pandemie erleben konnte. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Halbleitermangel in der Automobilindustrie, der zu erheblichen Lieferengpässen bei der Fertigstellung von Fahrzeugen geführt hat.
  • Durch neue und nachhaltige Produkte und Prozesse können zudem neue Märkte erschlossen und neue Kunden gewonnen werden.
  • Eine nachhaltige Optimierung der Produkteigenschaften, wie z.B. des Produktdesigns der verwendeten Materialien etc., kann der Rohstoff-/Materialverbrauch verringert, die Produktlebensdauer und Nutzung verlängert und durch Recyclingmaßnahmen als „neue“ Rohstoffe wieder zur Verfügung stehen (Kreislaufwirtschaft). Die Kreislauf­wirtschaft erhöht nicht nur den Wert der materiellen Ressourcen, sondern senkt auch gleichzeitig den gesamten Ressourcenverbrauch, den Emissionsausstoß an CO2 und NOx sowie Abfall und Umweltverschmutzung auf ein Minimum.
  • Durch nachhaltige Maßnahmen können die natürlichen Ressourcen, wie Wasser, Boden, Luft, Rohstoffe etc. geschont und Kosten eingespart werden. Die Nutzung natürlicher Ressourcen ist zudem stets mit Emissionen und anderen Umweltwirkungen verbunden - und das entlang des gesamten Lebenszyklus von Produkten und Prozessen.
  • Nicht zu vernachlässigen ist der positive Effekt von Nachhaltigkeit auf das Unternehmensimage, was nicht nur einen beachtlichen Einfluss auf den Unternehmensumsatz hat sondern auch die Kundenbindung und die Attraktivität für talentierte Mitarbeiter steigert.

 

Welche Entwicklung hat der Begriff Nachhaltigkeit in der Wirtschaft in den letzten Jahren genommen?

Nachhaltigkeit hat sich aus mehreren Gründen vom „nice-to-have“ zum „must-have“ entwickelt. Wenn irgendwo von Nachhaltigkeit die Rede ist, geht es in den meisten Fällen um konkrete Probleme, die unsere Umwelt aktuell betreffen: Umweltverschmutzung, Schädliche Emissionen, Klimawandel, mangelnde Ressourcen.

Aber auch gesetzliche Regelungen und die Erwartung der Kunden setzen Unternehmen mehr denn je unter Handlungsdruck verantwortungsvoll und nachhaltig zu agieren. Gemäß einer Studie von Statista im Jahr 2021 sind mehr als die Hälfte der deutschen Kunden der Meinung, dass ihr Verhalten zur Lösung von Umweltproblemen beitragen kann. Nachhaltiger Konsum hat heute schon einen hohen Stellenwert (je nach Aspekt zwischen 49-56% - Tendenz steigend). Jeder Zweite gibt sogar an, dass Nachhaltigkeit der Grund für die Verhaltensänderung war. Darüber hinaus sind Kunden auch bereit, auf bestimmte Produkte zu verzichten, wenn diese nicht den Nachhaltigkeitsstandards entsprechen.

Hinzu kommt, dass seit 2017 für Großunternehmen sowie Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen eine Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung besteht. Diese Berichtspflicht ist gemäß eines Beschlusses der EU-Kommission in 2021 ab 2023 auch für Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeiter verpflichtend. Kleine und mittelständische Unternehmen sind zwar noch nicht unmittelbar betroffen, allerdings ist davon auszugehen, dass berichts­pflichtige Unternehmen Nachhaltigkeitsinformationen von ihren Zulieferbetrieben einfordern werden.

Um die Herausforderungen zu bewältigen müssen Geschäftsmodelle, Innovationen und Investitionen zunehmend an Aspekte der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden. Mit Hilfe von nachhaltigen Methoden und Konzepten, wie z.B. CO2-Footprint, Ökodesign, der Kreislaufwirtschaft und einer gezielten Compliance-Strategie können bisherige Produktions-, Vertriebs, und Konsummodelle hinterfragt und kontinuierlich verbessert werden. Denn nur Unternehmen mit einer vernünftigen Nachhaltigkeitsstrategie, die nicht nur an Gewinn­maximierung orientiert sind, sind innovationsstärker, erreichen und binden eher junge talentierte Mitarbeiter und Kunden, sind für Investoren interessanter und werden letztlich erfolgreicher sein

 

Wie kann Nachhaltigkeit in den Lebenszyklus von Produkten und Dienstleistungen integriert werden?

Bei der Lösung der bereits genannten globalen Herausforderungen hat eine erfolgreiche Verknüpfung von Innovationen und Nachhaltigkeit eine hohe Bedeutung. Denn, Produkte beeinflussen die Umwelt über ihren gesamten Lebenslauf hinweg, beginnend vom Abbau der eingesetzten Rohstoffe, über die Produktion, dem Vertrieb und der Nutzung durch den Endverbraucher, bis zur Entsorgung.

Innovative Lösungsstrategien können hierbei helfen, um die Anforderungen erfolgversprechend umzusetzen. Dabei muss Nachhaltigkeit nicht nur das Ergebnis von Innovationen sein, sondern kann selbst als Antrieb hierfür dienen. In der frühen Phase der Produktentwicklung werden bereits die Produkteigenschaften und Produktionsbedingungen weitestgehend festgelegt. Gleichzeitig bietet sich hier die vielversprechende Möglichkeit, Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte frühzeitig zu berücksichtigen.

Abbildung. 1: Integration der Nachhaltigkeit in die Produktentwicklung

 

Um die Umweltauswirkungen eines Produktes über seinen Lebenszyklus minimieren zu können, müssen die zugehörigen Umwelteinflüsse in der Produktentwicklungsphase ermittelt und berücksichtigt werden. Nachhaltige Lösungskonzepte für Produkte lassen sich allerdings nur durch die Integration aller Unternehmensbereiche umsetzen.

Eine Möglichkeit umweltrelevante Parameter und Aspekte zu erfassen und zu bewerten ist durch einbinden methodischer Ansätze, wie z.B. der Ökobilanz (Life Cycle Assessment (LCA)), der Lebenszykluskostenrechnung (Life Cycle Costing (LCC)) und des Produktlebenszyklusmanagements (PLM) gegeben. Dadurch können zukünftige Produkte möglichst ressourceneffizient, umweltökonomisch und lebenszyklusorientiert gestaltet werden. Durch die gezielte Integration des Nachhaltigkeitsgedankens in die Produktentwicklung können Unternehmen zudem positiv auf den Verbrauch der natürlichen Ressourcen und der Umweltbelastung einwirken.

 

Was wären aus deiner Sicht ein paar Beispiele für nachhaltige Innovationen?

Mit der Produktreihe „Democractic Design“ bietet Ikea eine nachhaltige und hochwertige Produktinnovation zu fairen Preisen an. Ikea achtet hierbei neben der Verwendung von nachhaltigen Materialien und einer nachhaltigen Produktion insbesondere auf Form, Funktion, Qualität, und einen niedrigen Preis.

Die umweltneutrale „Pro Climate“ Produktreihe von Dm wird mit minimalem ökologischem Fußabdruck hergestellt und neben CO₂-Emissionen werden auch noch vier weitere Umweltauswirkungen kompensiert: Eutrophierung, Versauerung, Sommersmog, Ozonabbau. Dm wurde sogar für diese Produktinnovation mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis Design 2022 ausgezeichnet.

Ein Beispiel für eine gelungene Prozessinnovation ist das Automatisierungskonzept „Integrierte Produktionssysteme“ der BMW Group. Durch hochmodernde Assistenzsysteme werden ergonomisch belastende und kräftezehrende Arbeiten verringert und geben dem Mitarbeiter die Möglichkeit, seine kognitiven Fähigkeiten optimal einzusetzen. Der Mensch wird somit zum Gestalter seines Arbeitsplatzes. Damit wird das Produktionssystem schlanker und wandlungsfähiger.

Ikea setzt ein Transportmanagementsystem zur Optimierung und Ausführung seiner Transportprozesse ein, wodurch sich automatisch auch seine CO₂-Bilanz – sei es durch die Zusammenführung mehrerer Lieferungen zu einer einzigen LKW-Ladung, durch den Umstieg auf Transportmittel mit geringerem CO₂-Fußabdruck (z.B. von LKW auf Schiene oder von Flugzeug auf Schiff) oder durch die Reduzierung der zurückgelegten Kilometer (und damit des Bedarfs an LKWs und Benzin) bei lokalen Lieferungen. Ikea gibt an, dass sie ihre LKWs im Durchschnitt immer zu 64 % füllen und zu 58 % direkt vom Hersteller zum Möbelhaus fahren, wodurch Fahrten und somit CO2 signifikant eingespart werden.

Mit dem neuen Geschäftsmodell „Verpackungsrücknahme“ von Dm können Kunden leere, nicht bepfandete Kunststoffflaschen wie beispielsweise Shampoo- und Reinigungsmittelflaschen zukünftig in den Dm Märkten wieder abgeben. Dm nutzt diese zusätzliche Möglichkeit, um aus den gesammelten Kunststoffflaschen, neue, qualitativ hochwertige Verpackungen zu produzieren.

Die BMW Group ist als erster deutscher Automobilhersteller der Business Ambition für 1,5°C der international anerkannten Science Bases Targets Initiative beigetreten, mit klaren Maßnahmen, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Hierbei sollen durch Optimierung der Produkteigenschaften und der Beschaffungs- und Produktionsprozesse die CO₂-Emissionen der eigenen Werke und Standorte um mindestens 80%, die CO₂-Emissionen in der Lieferkette um 22% und die CO₂-Emissionen in der Nutzungsphase der Fahrzeuge (sowohl aus der Fahrzeugnutzung als auch bei der Kraftstoff- und Energiebereitstellung entstehen) bis 2030 um 40% gegenüber 2019 reduziert werden.

 

Gibt es noch weitere Beispiele für positive Entwicklungen durch mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen?

Nachhaltiges Wirtschaften schont nicht nur Ressourcen und Umwelt sondern beeinflusst auch das Unternehmensimage positiv. Die Berliner Agentur Biesalski und Company hat gemeinsam mit Facit Research in den Jahren 2011-2016 eine umfangreiche Studie durchgeführt, um den Einfluss der Nachhaltigkeit auf das Unternehmensimage und den –umsatz zu messen. Hierbei wird der „Sustainability Value Score“ (SVS) des Unternehmens ermittelt, der den konkreten wirtschaftlichen Erfolg von Nachhaltigkeitsimages aus Sicht der Kunden misst und dessen Anteil am Umsatz bestimmt. Die Studie hat deutlich gezeigt, dass ein nachhaltiges Wirtschaften nicht nur die Unternehmensreputation steigert sondern auch den Unternehmensumsatz signifikant beeinflussen kann.

Die vier deutschen Unternehmen Hipp, Frosta, Alete und Iglo können darauf bauen, das ihr guter Ruf in pucto Nachhaltigkeit für mehr als 10% ihres Umsatzes verantwortlich ist. Gemäß der Studie von Statista von 2021 ist heute schon für mehr als ein Drittel der Kunden Nachhaltigkeit ein wichtiges Kaufkriterium bei Lebensmittel. Die Hauptgründe für nachhaltige Kaufentscheidungen sind bei 65% der Umweltschutz und bei 51% die Unterstützung regionaler Produzenten und Lieferanten. Allerdings muss man auch eingestehen, dass der Preis weiterhin einen wesentlichen Einfluss auf die Kaufentscheidung hat und bei dem können nachhaltige Produkte nicht immer Pluspunkte sammeln.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich nachhaltiges Engagement auf jeden Fall auch wirtschaftlich lohnt. Das liegt zum einen weil Kunden zunehmend auf nachhaltige Produkte achten und zum anderen, weil gesetzliche Vorgaben und die zunehmende Ressourcenknappheit Unternehmen zwingt sich neu zu organisieren. Wer diesem Bedürfnis entspricht, sichert sich seine Position. Unternehmen, die in dieser Hinsicht einen schlechten Ruf genießen, haben heute schon einen schweren Stand.

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