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Finanzierungsmöglichkeiten der Europäischen Investitionsbank (EIB)

Interview mit Sandra Schmidt, Corporte Lending Nordic Countries, Germany and Austria bei der EIB

Eines der Ziele des Enterprise Europe Networks ist, das Bewusstsein der KMU für den Zugang zu Finanzmitteln zu verbessern. Daher sind wir sehr froh, dass wir Sandra Schmidt von der Europäischen Investitionsbank am Standort Berlin einige Fragen stellen durften, um ein besseres Verständnis der „Bank der EU“ zu bekommen.

 

Die Bilanzen der EIB sind in den letzten Jahren ständig gestiegen. Wie wichtig ist die EIB heute für Investitionen in Europa?  

 

Seit ihrer Gründung 1958 unterstützt die Europäische Investitionsbank (EIB) mit Ihren Finanzierungen die Ziele der Europäischen Union. Schwerpunkt unserer Unterstützung ist es die Innovationskraft und die Wettbewerbsfähigkeit in der EU zu stärken. In den vergangenen knapp 62 Jahren haben wir über eine Billion Euro investiert.

Seit einigen Jahren steht nun auch das Thema Klimaschutz ganz vorne auf der Agenda der Bank. Die EIB hat sich selbst zum Ziel gesetzt, als die Klimabank der EU, bis 2030 über eine Billion Euro für klimarelevante Vorhaben zu mobilisieren und bereits bis Ende 2020 ihre Finanzierungen in Einklang mit dem Pariser Klimaabkommen zu bringen.

Nicht vielen ist bekannt, dass die EIB die größte multilaterale Finanziererin weltweit ist, und bereits 2007 die erste grüne Anleihe (sog. „Green Bond“) entwickelt und ausgegeben hat.

Die Rolle der EIB ist es, durch ihre Finanzierungen Investitionen anzustoßen, Meistens übernimmt die Bank dabei die wesentlichen Risiken eines Projektes, um andere Investoren mit an Bord zu holen. Im Zentrum steht dabei aber immer, dass die von uns geförderten Projekte die Wettbewerbsfähigkeit und den Wohlstand in der EU insgesamt stärken. Globale Herausforderungen, wie der Klimawandel und Digitalisierung können am erfolgreichsten auf Europäischer Ebene angegangen werden. Angesichts der Größenordnung dieser Herausforderungen haben wir als Bank der EU auch in Zukunft viel zu tun, Investitionen zum Beispiel in neue grüne Technologien, oder den Ausbau von 5G und Breitbandnetzwerken in ländlichen Gegenden anzustoßen,  Auch im Zusammenhang mit unvorhersehbaren Krisen wie dem Coronavirus-Ausbruch spielen EIB-Investitionen eine zentrale Rolle. Wir finanzieren maßgeblich die Forschung und Entwicklung von Impfstoffen und neuen Behandlungsmethoden für das Virus und unterstützen durch die Krise in Bedrängnis geratene kleine und mittelständische Unternehmen.

Wir sind zudem auch außerhalb der EU tätig. Seit mehr als 40 Jahren ist die EIB die internationale Entwicklungsbank der Europäischen Union. Die EU braucht eine Bank, die ihre Grundsätze, Werte und Ziele verbreitet und auch jenseits ihrer Grenzen zu einem stabilen Wachstum beiträgt. Denn die Verflechtungen zwischen den Volkswirtschaften in Europa und dem Rest der Welt werden immer enger. Ereignisse auf der ganzen Welt wie Flucht und Klimawandel können erhebliche Auswirkungen in Europa haben. Zusammen mit unseren internationalen Partnern arbeiten wir daher an einem Wandel von Entwicklungshilfe zu Investitionen– und letztendlich von Armut zu Wohlstand.


Warum sollten sich deutsche Unternehmen Finanzierung auf EU-Ebene statt auf nationaler Ebene suchen?

 

Die Rolle der EIB ist es, stets ergänzend zu nationalen Finanzierern, Förderinstituten und kommerziellen Banken bestimmte Investitionen anzustoßen, oder Finanzierungslücken, wie bspw. bei der Klimafinanzierung, zu schließen.   

Man müsste also sagen, dass sich deutsche Unternehmen trotz der bereits sehr gut ausgebauten nationalen Förder- und Finanzierungsstrukturen ergänzend und gezielt an die EIB wenden. Dies liegt auch an einer Faustregel der EIB, dass förderfähige Investitionen grundsätzlich nur bis zu 50% über die Bank selbst finanziert werden dürfen. Für die verbleibenden Investitionen sollen Unternehmen unbedingt ihre sonstigen verfügbaren Quellen einsetzen.

Mit ihren langfristigen Finanzierungen unterstützt die EIB häufig Sektoren oder Teilbereiche von Projekten, wie zum Beispiel Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, die von kommerziellen Banken, insbesondere in Krisenzeiten, nicht abgedeckt werden können. Eine EIB Finanzierung erweitert somit den Instrumentenkasten von Finanzierungen, die einem Unternehmen zur Verfügung stehen.

 

Bietet die EIB Finanzierungen nur für große Unternehmen mit großem Umsatz an?

 

Vielen Dank, dass Sie dieses wichtige Thema ansprechen. KMU, und in Deutschland insbesondere der Mittelstand, sind das Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Sie schaffen Arbeitsplätze und treiben Wirtschaft und Innovationen voran. In Europa stellen die 23 Millionen kleinerer Unternehmen 99 Prozent aller Unternehmen dar und schaffen fast drei Viertel aller Arbeitsplätze.

Die Förderung von KMU ist daher ein wichtiges Ziel der EIB. Im vergangenen Jahr hat die Bank für deutsche KMU fast EUR 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Europaweit flossen über EUR 25,5 Mrd. über lokale Partnerbanken an innovative klein- und mittelständische Unternehmen. Wir arbeiten in den allermeisten Fällen mit lokalen Banken und Partnern, um KMU zu finanzieren, da diese die KMU in ihrer Region am Besten kennen und deren Finanzierungsbedürfnisse am ehesten einschätzen können. Eine Liste von Partnerbanken in Deutschland, die unsere KMU Finanzierungsvorteile weitergeben, ist auf unserer Website hier  einsehbar. Dort finden Sie auch die Partnerbanken in anderen EU-Ländern.


Für die Bewältigung der Covid-19-Krise hat die EIB zusätzliche Finanzierungen mobilisiert, zum Beispiel für die Impfstoffentwicklung und Lösungen, um die Ausbreitung des Virus zu begrenzen. Was für Möglichkeiten gibt es für deutsche Unternehmer und Forscher, die dazu einen Beitrag leisten wollen?

 

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie sind schon jetzt deutlich sichtbar. Um sie abzufedern, kämpfen die europäischen Institutionen, inklusive der EIB, an zwei Fronten:

•         Soforthilfen im Gesundheitsbereich und Suche nach Medikamenten und Impfstoffen gegen Covid-19 sowie Lösungen, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen

•         Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen der Krise, deren Sog viele europäische Unternehmen und die europäische Wirtschaft insgesamt ergreift

An beiden Fronten ist bereits viel geschehen und es wurde eine ambitionierte europäische Antwort auf den Weg gebracht.

Bei der EIB-Gruppe stehen 6 Milliarden Euro für Investitionen im Gesundheitssektor zur Verfügung. Die Mittel sollen in die Gesundheitsinfrastruktur, in weitere Forschung oder in die Finanzierung von Impfstoffen und Medikamenten fließen.

Zusätzliche Mittel können in Gesundheitsinfrastruktur, in weitere Forschung oder in die Finanzierung von Impfstoffen und Medikamenten fließen.

Speziell für KMU richtete die EIB-Gruppe den European Guarantee Fund (EGF) im Volumen von bis zu 25 Milliarden Euro ein. Über diesen Fonds kann die EIB-Gruppe zusammen mit lokalen Geldgebern und nationalen Förderinstituten bis zu 200 Milliarden Euro für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und sonstige Unternehmen der Realwirtschaft mobilisieren – zusätzlich zu den bereits angekündigten bis zu 28 Milliarden Euro des Soforthilfepakets der EIB.

 

Vielen Dank, Frau Schmidt, für das hochinteressante Interview!

 

Weitere Informationen:

Webseite der Europäischen Investitionsbank

Enterprise Europe Network Kurzinfo

 

 

Bilder: Europäische Investitionsbank