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EU-Förderung für Kreative

EU-Förderung für Kreative: Wegweiserin nach Brüssel – im Gespräch mit Dagmar Heidenreiter-Gelov vom EEN Hessen

Die Europäische Union unterstützt Unternehmen mit einer Vielzahl von Förderprogrammen und Finanzierungsinstrumenten. Nicht so leicht, da das geeignete Programm zu finden. Hier setzt das Enterprise Europe Network an und bietet als Lotse Orientierung bei der Suche und Beantragung von europäischen Fördermitteln. Wie das genau abläuft und was insbesondere Kreativunternehmen beachten sollten, haben wir EU-Förder- und Innovationsberaterin Dagmar Heidenreiter-Gelov vom EEN Hessen gefragt.

 

Dagmar, als Förderberaterin unterstützt du hessische Unternehmen dabei, EU-Mittel zu beantragen. Wie läuft eure Beratung konkret ab?

Ich lasse mir im Vorfeld der Beratungsgespräche gerne eine Projektskizze zuschicken. Das ermöglicht mir vorweg einen Einblick in das Unternehmen und in das zu fördernde Innovationsvorhaben. In dem gemeinsamen ersten Termin mit dem Unternehmen besprechen wir dann den Stand des Projektes sowie die Vorstellungen, Bedürfnisse und Ressourcen der Interessenten. Fragen, die ich in diesem Gespräch ebenso stelle, betreffen den Finanzierungsbedarf, eventuell vorhandene Erfahrungen bei der Antragsstellung von Projekten sowie Kontakte zu internationalen Partnern. Es ist meine Aufgabe als Beraterin, die richtigen Fragen zu stellen, um geeignete Förderprogramme vorschlagen zu können. Wenn für ein Unternehmen eine Antragsstellung dann in Frage kommt, gehen wir in einem nächsten Termin tiefer und besprechen die Teilbereiche des Antrags.

Ist die Beratung kostenlos?

Unsere Beratungen sind kostenfrei, denn sie werden von den Ländern und von der Europäischen Kommission gefördert. Das Beraterteam vom EEN Hessen gehört zur hessischen Wirtschaftsfördergesellschaft, Hessen Trade & Invest GmbH, und ist zugleich Mitglied im Enterprise Europe Network der Europäischen Kommission. Mit über 600 Beratungsstellen in über 60 Ländern weltweit ist es wohl das größte Beraternetzwerk für innovative Start-ups und kleine und mittlere Unternehmen mit internationalen Ambitionen.

Der Wettbewerb um europäische Mittel ist groß. Für wen lohnt sich der Blick nach Brüssel, kannst du pauschal sagen, welche Voraussetzungen Unternehmen in jedem Fall erfüllen sollten?

 

Ja, der Wettbewerb ist sehr groß. Die Förderanträge werden von Unternehmen aus der ganzen EU eingereicht, was oft zu einer Überzeichnung der Programme führt. Letztlich muss das eigene Innovationsprojekt aus der Menge anderer sehr guter Anträge klar herausstechen. Die EU-Kommission unterstützt herausragende neuartige Lösungen – egal um welches EU-Programm es sich handelt. Für eine EU-Förderung zeichnet sich das Vorhaben durch eine europäische Dimension aus und passt zu den Strategien und politischen Zielen der EU.

Für manche Projekte können verschiedene Programme in Frage kommen, neben dem thematischen Fokus des Projektes und der Projektart spielen hier nun auch die Vorstellungen und Voraussetzungen des Unternehmens eine Rolle. Viele Unternehmen, die in die Beratung kommen, ziehen eine Einzelförderung einer Einbindung in ein internationales Projektkonsortium vor. Auch sollte bei der EU-Antragsstellung eher ein mittelfristiger Zeithorizont eingeplant werden. Die Ausschreibungen in den Programmen sind zeitlich terminiert, ebenso nehmen die Evaluierung und die Vertragsunterzeichnung eine gewisse Zeit in Anspruch.

Ich denke aber, die Chancen, die eine EU-Förderung für eine starke Innovation mit sich bringt, sind erheblich:  Die EU bietet sehr hohe Förderquoten und sehr hohe Fördersummen, die als Zuschüsse ausbezahlt werden und somit nicht zurückgezahlt werden müssen. In Verbundprojekten arbeitet man zudem mit europäischen Partnern zusammen, kann so sein Netzwerk erweitern und auf internationale Märkte vordrängen.

Wurde man einmal gefördert, erhält man Zugang zu einer Community mit weiteren attraktiven Unterstützungsangeboten der EU, insbesondere beim Zugang zu privatem Kapital und bei der Vernetzung mit Großunternehmen. Ein erfolgreicher Antrag ist definitiv ein Aushängeschild und öffnet dem Unternehmen viele Türen. Auch ergeben sich oft Möglichkeiten auf eine Anschlussförderung, wenn man einmal in einem Konsortium beteiligt war. Ob sich der Blick nach Brüssel lohnt, ist letzten Endes eine unternehmerische Entscheidung. Ich zeige nur die Wege nach Brüssel, die Unternehmen machen sich auf die Reise – oder nicht.

 

Was sind aus deiner Erfahrung wesentliche Herausforderungen für Unternehmen, die sich erfolgreich um EU-Fördermittel bemühen wollen?

Die Antragsstellung ist sehr komplex und sollte nicht unterschätzt werden. Ich empfehle daher, im Vorfeld so viele Informationen über das gewählte Programm und bereits geförderte Projekte zu sammeln wie möglich sowie frühzeitig die Beratung von Expertinnen und Experten einzuholen. Die EU verwendet eine gewisse Sprache, die auch im Antrag verwendet werden sollte. Es ist daher wichtig, sich Zeit zu nehmen und die Sprache der EU zu lernen. Auch sollte man den Antrag zur Chefsache machen oder mindestens wesentlich daran mitarbeiten. Denn wer könnte das Projekt in seiner Ganzheit besser präsentieren? In der Regel muss ein erfolgreicher Antragssteller auch eine Kofinanzierung leisten, das könnte sich als Herausforderung erweisen. Ebenso sind bestimmte Berichtspflichten zu leisten, die viele Ressourcen binden können.

Gibt es bestimmte Herausforderungen, die du insbesondere bei Kreativen siehst?

Ich denke, die Herausforderungen unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen, sie sind nicht branchenspezifisch. Im Kern steht die Qualität des Projekts und des Teams. Zusätzlich hängt der Erfolg davon ab, ob bereits Erfahrungen in Sachen Antragstellung und Durchführung von EU-Projekten vorhanden sind oder noch gesammelt werden müssen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Neulinge, in die EU-Förderung einzusteigen. Beispielsweise kann man sich zunächst selbst als EU-Gutachterin oder -Gutachter bewerben und Anträge bewerten. So erfährt man die Bewertungskriterien der EU im Detail, kann Netzwerke knüpfen und lernt die aktiven Player und ihre eingereichten Projekte sehr gut kennen. Oder man stellt sich zunächst als Projektpartner in einem Konsortium zur Verfügung und schnuppert so die erste EU-Luft, bevor man dann selbst ein internationales Konsortium leitet und für ein EU-Projekt von Anfang bis zum Ende Verantwortung übernimmt.

Wie viel Zeit sollten Unternehmerinnen und Unternehmer für ein Antragsverfahren einplanen?

Es gibt Programme, wo ich mit Sicherheit sagen kann, dass man mit 400 bis 500 Stunden rechnen muss. Das trifft aber nicht auf alle Programme zu und ist auch hier wieder von verschiedenen Faktoren abhängig: Kann ich schon auf Bausteine eines Antrages, beispielsweise aus meinem Businessplan oder von Vorgängerprojekten, zurückgreifen oder muss ich alle Antworten noch von Anfang an erarbeiten? Ebenso sind die Antragsformulare der Programme unterschiedlich. Auch hängt es von der Rolle ab, die man im Projekt einnimmt: Ist man Koordinator, der alle Zügel in der Hand hält, oder nimmt man als Partner teil?

Welche Förderprogramme sind für kreativwirtschaftliche Unternehmen besonders interessant?

Die EU-Fördermöglichkeiten für Kreative sind vielfältig und schließen neben Creative Europe auch andere Förderprogramme ein, die nicht eindeutig auf der Hand liegen, wie z.B. Horizon Europe, das Forschungs- und Rahmenprogramm der EU oder das Digital Europe Programme. Es gibt eine sehr gute und aktuelle Förderbroschüre, The CultureEU funding guide (2021-2027), auf die ich gerne hinweisen möchte. Neben den Förderprogrammen für die Kreativwirtschaft gibt es zu jedem Programm Erfolgsprojekte aus der Vergangenheit.

Nicht zuletzt durch den "Green Deal" und die Initiative "New European Bauhaus" liegt ein Förderschwerpunkt auf nachhaltigen Projekten. Auf welche Programme sollten Kreativschaffende hier aktuell ein besonderes Augenmerk legen?

Ja, genau. Das Neue Europäische Bauhaus ergänzt den europäischen Green Deal um eine kulturelle und kreative Dimension. Für die Finanzierung werden rund 85 Mio. EUR im Zeitraum 2021-2022 bereitgestellt. Das Neue Europäische Bauhaus wird in viele andere EU-Programme als Kontextelement aufgenommen, darunter Horizon Europe, das LIFE-Programm für Umwelt- und Klimapolitik und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Es gibt aber auch interessante Beteiligungsmöglichkeiten am Rande, wie die Preise der Neuen Europäischen Bauhaus Initiative oder das Festival des Neuen Europäischen Bauhaus, das vom 09. bis 12. Juni in Brüssel stattfinden wird.

Ich finde diese Initiative besonders interessant und freue mich, dass ich die aktuellen Ausschreibungen und Beteiligungsmöglichkeiten künftig für euch im Blick behalten werde. Ich denke, hier können wir noch mit tollen Gelegenheiten und Projekten rechnen.

Das Enterprise Europe Network Deutschland bietet Beratung zu EU-Förderprogrammen in jedem Bundesland an. Finden Sie hier Ihre regionalen Ansprechpartner.

CulturEU-Förderleitfaden

Im CulturEU-Förderleitfaden 2021-2027 finden Sie eine Übersicht aller EU-Fördermöglichkeiten für die Kultur- und Kreativbranche, einschließlich wichtiger Informationen darüber, wer sich wie bewerben kann sowie zu den Arten der unterstützten Aktivitäten.

 

Quelle: https://www.kreativwirtschaft-hessen.de/magazin/wegweiserin-nach-bruessel/

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