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CETA – Acht Dinge, die man wissen muss

Neue Horizonte öffnen

Von Katelyn Petersen und Benno Weissner

Neue Horizonte öffnen

Die Zusammenarbeit mit dem neuen internationalen Partner des Enterprise Europe Network in Kanada (EEN-Canada) bietet sowohl für europäische als auch für kanadische KMU vielzählige Möglichkeiten, grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Dies gelingt durch die Anbahnung neuer, vielversprechender Kontakte, die Bereitstellung von Informationen über Märkte und gesetzliche Bestimmungen sowie Unterstützung bei der Suche nach Geschäftspartnern. Kanada hat sich in der Vergangenheit bereits als sehr spannender Markt für exportorientierte europäische Unternehmen erwiesen. Gleichermaßen bieten viele kanadische Unternehmen – dank ihrer innovativen Produkte – hervorragende Möglichkeiten für europäische Firmen.

Das Team von EEN-Canada nahm vor kurzem an einer - vom kanadischen Trade Commissioner Service - ausgerichteten Online-Konferenz teil, bei der kanadische KMU ihre Erfahrungen mit CETA teilten. Sie beschrieben auch wie sie vom Einstieg in den europäischen Markt profitiert haben. Die Spannweite der dort präsentierten Beispiele reichte von gesalzenem Fisch bis hin zu Spitzentechnologien, und es wurde deutlich, dass CETA für fast jedes KMU mit internationalen Zielen eine großartige Gelegenheit darstellt. EEN-Canada möchte an dieser Stelle CETA und die damit verbundenen Dienstleistungen, die als Unterstützung zur Verfügung stehen, erneut promoten, in der Hoffnung, dass sich mehr Unternehmen – auch aus Deutschland – die Vorteile dieses wichtigen Handelsabkommens zu Nutze machen werden.


Die wichtigsten Vorteile für KMU

Die acht wichtigsten Vorteile, die CETA für europäische und kanadische KMU bietet, sind wie folgt:

  • Warenverkehr (z.B. Tarife) – Durch CETA werden 98 % aller bisher anfallender Tarife abgeschafft. Somit sparen Unternehmen Milliarden an Euro bzw. Dollar. KMU wird ein unkomplizierterer und konkurrenzfähigerer Eintritt in den jeweiligen Markt ermöglicht. Die Verbraucher wiederum profitieren von mehr Wettbewerb und einer breiteren Produktauswahl.
  • Arbeitskräftemobilität – Dank CETA ist nun eine „Vorübergehende Einreise“ („Temporary Entry“) möglich. Hierdurch ist es für Geschäftsleute, die Kanada bzw. ein EU-Land lediglich für einen kurzen Zeitraum besuchen wollen, sowie Mitarbeiter, die firmenintern versetzt werden, Investoren, Dienstleister und Freiberufler einfacher, Geschäfte in Kanada zu tätigen, und umgekehrt.
  • Investitionen – Das Handelsabkommen hat die Obergrenzen für ausländische Investitionen aufgehoben. Überdies erlaubt es EU-Investoren, ihr Vermögen aus Kanada zurück in die EU zu überführen, und umgekehrt. Darüber hinaus wurden mit CETA klare Regeln für den Schutz von Investitionen aufgestellt. CETA untersagt, zum Beispiel, eine Diskriminierung von EU-Investoren zugunsten kanadischer Investoren oder Investoren aus einem Drittland durch Kanada. Investoren genießen auch einen erhöhten Schutz vor der Enteignung oder Verstaatlichung ihrer Investitionen.
  • Öffentliche Beschaffung – Unternehmen aus der EU dürfen jetzt bei öffentlichen Ausschreibungen von Kommunen, Provinzen etc. beteiligen.
  • Dienstleistungen – Wenn man an Handelsabkommen denkt, kommen einem oft zuerst physische Waren in den Sinn. Jedoch verringern sich durch CETA auch grenzüberschreitende Beschränkungen für den Handel mit Dienstleistungen in hohem Maße. Dienstleistungen machen drei Viertel der europäischen Wirtschaft aus. Die Tatsache, dass viele davon sich nun ganz einfach nach Kanada exportieren lassen, schafft vielfältige neue Möglichkeiten für europäische KMU.
  • Konformitätsbewertung – Das CETA-Protokoll zur Konformitätsbewertung schafft einen Rahmen für die gegenseitige Anerkennung von Produktstandards. durch Produktzertifizierungen und Warenprüfungen in bestimmten Produktkategorien durch anerkannte Stellen des jeweiligen Partners. Dies bedeutet, dass eine designierte europäische Konformitätsbewertungsstelle EU-Produkte für den Export nach Kanada gemäß kanadischen Vorschriften prüfen kann, und umgekehrt. Dies wird die mit solchen Handelstransaktionen verbundenen Kosten drastisch senken und ist insbesondere für KMU auf beiden Seiten des Atlantiks hilfreich.
  • Gegenseitige Anerkennung von Berufsabschlüssen und Befähigungsnachweisen – CETA hat einen Rahmen geschaffen, der es den Partnern ermöglichen wird Berufsqualifikationen und –Abschlüsse aus dem jeweils anderen Raum anzuerkennen. Dies bedeutet, dass Fachleute wie Wirtschaftsprüfer, Architekten und Ingenieure auf beiden Seiten des Atlantiks ihren Beruf auf dem Hoheitsgebiet der jeweils anderen Partei ausüben könnten. CETA hat die zuständigen Berufsverbände und Behörden in der EU und Kanada beauftragt, einen Vorschlag über die gegenseitige Anerkennung auszuhandeln, der dann in CETA integriert werden kann.
  • Umweltschutz – Das Handelsabkommen beinhaltet auch ein Kapitel zum Thema Umwelt. Die Parteien verpflichten sich sicherzustellen, dass sich Handel und Umweltschutz gegenseitig stützen und verstärken. CETA stellt sicher, dass inländische Umweltgesetze eingehalten werden  und beide Parteien das öffentliche Bewusstsein sowie die Transparenz für diese Gesetze fördern. CETA zielt zusätzlich darauf ab, nachhaltiges Ressourcenmanagement voranzutreiben und enthält außerdem eine allgemeine Verpflichtung zur Aufrechterhaltung hoher Umweltstandards.


Wie kann das Enterprise Europe Network helfen?

Das Netzwerk zielt darauf ab, KMU zu unterstützen und zu fördern. In dieser Rolle hilft es Unternehmen u.a. bei Fragen zum kanadischen Markt (Größe, Strukturen). Es kann den Einstieg in den neuen Markt erleichtern, indem es Informationen zu Steuern und gesetzlichen Bestimmungen bereitstellt. Mit seiner maßgeschneiderten Partnervermittlung unterstützt es KMU außerdem in Bezug auf Geschäftskontakte, wie z.B. Vertriebspartner. Zu guter Letzt stellen Netzwerk- und Technologietransferveranstaltungen eine ausgezeichnete Gelegenheit dar, gemeinsame Vorschläge für grenzüberschreitende Projekte anzustoßen und zu fördern.

Kanada ist erst vor kurzem, im Juni 2020, Teil des Enterprise Europe Network geworden. Während das Netzwerk eine bekannte Anlaufstelle für europäische Unternehmen ist, die einen Eintritt in den kanadischen Markt erwägen, gibt es zudem ein weiteres Dienstleistungsangebot, das viele europäische Unternehmen vielleicht nicht kennen – den kanadischen Trade Commissioner Service. Dies ist ein Netzwerk von über 1000 Handelsexperten, die in kanadischen Botschaften, Hochkommissariaten und Konsulaten auf der ganzen Welt tätig sind. Zudem befinden sich auch über ganz Kanada verteilt weitere Experten, dieüber  umfangreiche branchen- und regionalspezifische Kenntnisse, wenn es um den Handel mit Waren und Dienstleistungen geht, verfügen.

Nützliche Links

 

Die Autoren

Katelyn Petersen ist Geschäftsführende Direktorin des Deutsch-Kanadischen Zentrums für Innovation und Forschung (GCCIR). Vor ihrem Wechsel zum GCCIR war sie als Regionalkoordinatorin für Europa an der University of Alberta International tätig, wo sie für die Partnerschaften und Initiativen der Universität mit europäischen Institutionen zuständig war. Katelyn schloss 2013 ihre Promotion in zeitgenössischer deutscher Literatur an der University of Alberta und der Ludwig-Maximilians-Universität in München ab.

Benno Weissner ist seit über 12 Jahren im Enterprise Europe Network tätig. Sein Schwerpunkt ist die internationale Partnervermittlung. Davor war er Berater bei der deutschen Nationalen Kontaktstelle (NKS) für IKT. Er ist zudem Mitglied der EEN-Expertengruppe für IKT.


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